Gemeinderat Erdal Karli im Interview mit der Holzkirchner Stimme

„Holzkirchner Modell fördert reiche Leute“

Seit knapp zweieinhalb Jahren vertritt der Informatiker Erdal Karli die Freien Wähler im Holzkirchner Marktgemeinderat. Im „Halbzeit-Gespräch“ mit der HS spricht er über die aktuellen Themen der Kommunalpolitik.

Inzwischen zwei Jahre her: Die Vereidigung der beiden neuen Gemeinderatsmitglieder (links: Erdal Karli) / Archivbild

Im Zuge der damals hochkochenden Debatte um das Geothermie-Projekt in Holzkirchen kündigten die Ernst-Brüder als Mitglieder des Marktgemeinderates Holzkirchen ihren Rücktritt an und legten Mitte 2015 ihre Ämter nieder.

Kurze Zeit später traten Martina Unverdorben und Erdal Karli die Nachfolge der Freien Wähler Repräsentanten an. Anlässlich ihrer Vereidigung als Marktgemeinderäte und dem damit einhergehenden Beginn ihres politischen Amtes teilten die beiden damals ihre Intentionen, Wünsche und Ansichten mit der Holzkirchner Stimme.

Seit dem Interview sind inzwischen fast zweieinhalb Jahre vergangen – Halbzeit in der fünfjährigen Amtszeit für die Marktgemeinderäte. Grund genug für ein Update in Sachen Kommunalpolitik. Wir sprechen mit Erdal Karli über seine bisherige Amtszeit und zukünftigen Projekte.

Holzkirchner Stimme: Herr Karli, zuletzt sprachen wir vor mehr als zwei Jahren. Wenn sie auf die erste Hälfte ihrer Amtszeit zurückblicken – was hat Sie am meisten überrascht?

Erdal Karli (lacht): Wieviel harte Arbeit das Amt mit sich bringt.

Klingt nach einer ereignisreichen Zeit. Wie beurteilen Sie ihre bisherige Tätigkeit als Marktgemeinderat?

Karli:Ich habe sehr viel gelernt. Als Marktgemeinderat muss ich Themen aus mehreren Perspektiven betrachten, um dann Entscheidungen zu treffen, mit denen alle leben können. Dadurch habe ich auch gelernt, zuzuhören und meine Meinung gegebenenfalls zu ändern. Vor allem dann, wenn sich die Faktenlage ändert. Es ist ein bisschen so, als hätte ich Fortschritte in Sachen Diplomatie gemacht – aber nach wie vor bin ich alles andere als ein diplomatischer Mensch.

Die Entscheidung des Marktgemeinderats, das Gebiet Inselkam-Maitz gegen das Holzkirchner Modell zum Höchstpreis zu vergeben, sorgten für viel Kritik. Wie ist ihr Standpunkt dazu?

Karli: Zunächst einmal sehe ich das Holzkirchner Modell kritisch. Eigentlich wollte ich mit dem Holzkirchner Modell kinderreiche und schon lange in Holzkirchen wohnende Familien begünstigen. Ein Ehepaar mit vier Kindern, das seit fünf Jahren in Holzkirchen lebt, schlägt nach Holzkirchner Modell die lebenslang ansässige Mutter mit nur einem Kind. Aus dieser Erfahrung haben wir gelernt. Für das nächste Mal wünsche ich mir eine Nachbesserung der Parameter.

Und eine Vergabe zum Höchstpreis ist die Lösung?

Karli: Die Gemeinde braucht Geld. Das bekommen wir durch die Art der Vergabe. Hätten wir das Holzkirchner Modell gewählt, hätten wir reiche Leute gefördert. Eine staatliche Institution sollte das nicht machen. Ich möchte den Menschen helfen, die nicht so viel Glück im Leben hatten. Mit dem Geld wollen wir außerdem den sozialen Wohnungsbau fördern.

Als Gemeinderat sind Sie Interessensvertreter für die Bürger in Holzkirchen. Wie macht sich das Amt in Ihrem Alltag bemerkbar?

Karli: Ich habe seitdem viel mehr Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschen und werde inzwischen auch oft auf der Straße auf politische Themen angesprochen.

Welche Probleme sehen Sie in Holzkirchen?

Karli: Ich persönliche sehe in der hohen Fluktuation innerhalb der Marktgemeinde ein wesentliches Problem. Das geht sehr zulasten der Einheimischen. Seit einiger Zeit höre ich zudem seitens der Kleinbetriebe und Handwerker, dass in Holzkirchen nur die großen Unternehmen bevorteilt und kleinere Unternehmen stiefmütterlich behandelt werden. Grundstücke sind für die Kleinen oft zu teuer. Hier müssen wir mehr tun. Ich wünsche mir eine Art „Holzkirchner Modell“ für unsere Klein- und Jungunternehmer und Existenzgründer.

Haben Sie ein persönliches „Aufregerthema“?

Karli: Ich ärgere mich sehr über Querulanten. Zugezogene, die sich dann über die einheimische Lebensart oder Kuhglocken beschweren.

Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen liegt?

Karli: Ein Einheimischenprojekt, das auf sozialen Wohnungsbau sowie eine gerechte Förderung bei der Bildung von Wohneigentum abzielt, das wäre mir sehr wichtig.

Können Sie sich eine weitere Amtsperiode vorstellen?

Karli: Manches mache ich gerne, manches nicht. Deshalb weiß ich noch nicht, ob ich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehe. Aber wenn die Menschen meine Standpunkte gut finden, die ich im Marktgemeinderat vertrete, und mich dafür wollen, lasse ich eine Fortsetzung offen.